28.10.2013 -  

Am 16. Oktober wurde nach langem Warten die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) vom Kabinett abgesegnet. Die neue Novelle wird nach der Verkündung und einer sechsmonatigen Übergangszeit die EnEV 2009 im Frühjahr 2014 ablösen. Der sommerliche Wärmeschutz erfährt in der Neufassung eine verschärfte Bewertung. Wir haben nachgefragt bei Katharina Wallrapp, verantwortlich für den Bereich „Klimagerechtes Bauen“ beim Sonnenlicht-Manager WAREMA.

Frau Wallrapp, die EnEV 2014 fordert zukünftig den sommerlichen Wärmeschutznachweis nach der DIN 4108-2:2013. Welche Regelungen gibt es hinsichtlich der Berechnung des sommerlichen Wärmeschutzes?

Bei der Planung der Maßnahmen müssen verschiedenste Kriterien wie die Himmelsrichtung oder der Fensterflächenanteil berücksichtigt werden – und zwar für den Raum, der unter den gegebenen Umständen zu den jeweils höchsten Anforderungen führt. Das vereinfachte Nachweisverfahren wurden nun überarbeitet und an das komplexere Berechnungsverfahren mittels thermischer Simulation angepasst. Auch durch diese Maßnahme ist eine Verschärfung des Verfahrens entstanden. In letzter Konsequenz bedeutet das: wo in der Vergangenheit kein Sonnenschutz nötig war, muss heute eine Verschattung angebracht werden.

Bisher galt die DIN 4108-2 für Neubauten – hat sich der Anwendungsbereich mit der Aktualisierung der Norm im Jahr 2013 geändert?

KW: Ja, die Neufassung gilt nun auch für bestehende Gebäude und beim Austausch von Bauteilen. Das war eine überfällige Entscheidung, bedenkt man die zahlreichen Modernisierungsvorhaben bei denen die Architektur von großen Glasflächen bestimmt wird.

Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, werden wir also auch künftig mit steigenden Anforderungen rechnen müssen und haben einfache Berechnungsverfahren damit bald ausgedient?

Hier kann ich beispielsweise auf die Studie „Thermisches und energetischen Verhalten von Gebäuden im Lichte des Klimawandels“ verweisen, die vom renommierten Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser im Mai 2013 veröffentlicht wurde. Mit der immer komplexer werdenden Gewerke-übergreifenden Gebäudetechnik ist das vereinfachte Berechnungsverfahren zukünftig nicht mehr repräsentativ. Thermische Simulationen dagegen können die Funktionalität der Steuerung, die genaue Uhrzeit und internen Wärmelasten berücksichtigen und so Zusammenhänge realitätsnaher abbilden.

Thermische Simulationen werden also ein Muss?

Ich denke ja. Zumindest für Nichtwohngebäude wird diese Art der Berechnung in mittelbarer Zukunft unabdingbar.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung! 

 Katharina Wallrapp ist Diplom Bauingenieurin mit dem Schwerpunkt Bauphysik und Gebäudetechnik. Sie leitet die Abteilung „Klimagerechtes Bauen“ innerhalb der Objektberatung der WAREMA Renkhoff SE. Aufgabe ist es, Architekten und Planer sowie Fachpartner bei der immer komplexer werdenden Planungsarbeit zu unterstützen. Für bauphysikalische Fragen wurde eine Telefonhotline eingerichtet: Hotline Klimagerechtes Bauen +49 9391 20-3025.



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