Meldung des Bundesverband Sonnenschutztechnik (BVST), Juni 2014

17.06.2014 -  

Wohnen muss leistbar sein und bleiben. Dieser Zielsetzung der Oberösterreichischen Wohnbauförderung ist an sich nichts entgegenzusetzen. Allerdings: Was ist unter leistbar zu verstehen? Der Bundesverband Sonnenschutztechnik nimmt Stellung zum neuen Ausstattungskatalog.

Der Gebäudebestand in der EU verschlingt 40 % der Primärenergie. Die Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes darf jedoch nicht zu Lasten des Komforts gehen und auch nicht kosmetischer Natur, also eine reine Kostenverlagerung, sein! Klar ist, dass Gebäudekonzepte von gestern nicht mehr taugen. Aufgrund ständig steigender Rohölpreise musste die öffentliche Hand die Budgets für Heizkostenzuschüsse deutlich erhöhen, weil Heizen für viele Konsumenten nicht mehr leistbar ist. Ing. Johann Gerstmann, Sprecher des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik: „Die Art und Weise, wie Gebäude geplant und errichtet werden, hat sich grundlegend geändert. Diese müssen heute ganzheitlich effizient sein. Das bedeutet, dass der Energiebedarf nicht nur fürs Heizen, sondern auch für das Beleuchten so gering wie möglich gehalten werden muss. Zudem müssen Wohngebäude ohne Kühlgeräte sommertauglich sein.“ Eine dichte Gebäudehülle lässt Raumwärme weniger rasch entweichen – das gilt auch für den Sommer. Glasflächen fungieren als Heizkörper: Die Sonne heizt mit bis zu 500 W/m2 ein – bei einem Fenster mit 2 m2 entsteht also bis zu 1 kW! Bei entsprechend großer südorientierter Verglasung lässt sich im Winter damit ein guter Teil des Heizwärmebedarfs decken.

Allerdings führen diese dichten Gebäudehüllen mit „Fensterheizung“ im Sommer zwangsläufig zu Überwärmung. Die gespeicherte Wärme lässt sich erst am Abend bei Temperaturen unter 20 °C spürbar weglüften, sofern eine ausreichende Luftströmung gegeben ist. In der Praxis bedeutet das: Nach Hause kommen und schwitzen, Schlafen gehen bei tropischen Raumtemperaturen, mitten in der Nacht aufstehen und die Fenster öffnen und hoffen, dass keine ungebetenen Gäste ins Zimmer kommen und es draußen ruhig ist. Gerstmann: „Da laut Norm die maximal zulässige Raumtemperatur erst nach zehn Uhr am Abend den Wert von 25 °C nicht überschreiten darf, trifft dies besonders all jene, die früher schlafen gehen – in erster Linie sind dies Kinder!“

Fazit und Forderung
Ein wirksamer Sonnenschutz ist das „Thermostatventil” für Fenster und gehört in jedem Fall in die Grundausstattung energieeffizienter, sommertauglicher Gebäude! Der Ausstattungskatalog des Landes Oberösterreich empfiehlt den Bauträgern jedoch, so zu planen, dass auf einen außenliegenden Sonnenschutz, der die Fensterflächen (Energieeintrittsfläche) reduziert, verzichtet werden kann. Kleine Fenster bedeuten aber höhere Heizkosten, weniger Tageslicht und damit zusätzlichen Strombedarf für Kunstlicht, das wiederum erheblich Wärme produziert. Gerstmann: „Offensichtlich war man sich bei der Erstellung des Ausstattungskataloges bereits bewusst, dass bei dem zugebilligten Fensterflächenanteil von max. 20 % Überwärmung eintreten kann. Daher werden die Bauträger angehalten, Sturzerhöhungen für das Nachrüsten von wirksamem Sonnenschutz wie Rollläden, Raffstore oder Markisen vorzusehen.“

Oberösterreich geht aus Sicht der Sonnenschutzbranche damit bewusst das Risiko ein, den Sommerkomfort einer Baukostenreduktion zu opfern. Gerstmann: „Man scheut nicht davor zurück, den Bewohnern höhere Heiz- und Stromkosten und zusätzliche Ausstattungskosten aufzubürden!“

Denn Mietern, denen es in Hitzeperioden dann doch zu heiß wird, bleiben drei Möglichkeiten. Entweder sie beweisen dem Bauträger, dass der Nachweis der Sommertauglichkeit nicht stimmt – das kann ein teures Verfahren mit Gericht und Sachverständigen werden. Oder die Mieter beißen in den sauren Apfel und rüsten den Sonnenschutz auf eigene Kosten nach – sofern sie die entsprechende Einwilligung des Bauträgers bekommen. Nachrüsten im Bestand kostet allerdings deutlich mehr als die Erstausrüstung im Zuge der Errichtung. Die dritte Möglichkeit wäre das Aufstellen von Klimageräten – die absurdeste und hinsichtlich Nachhaltigkeit, Klima- und Energiezielen kontraproduktivste und teuerste Lösung! Der Sprecher des BVST fordert daher: „Leistbares Wohnen muss im Sinne der Bewohner ganzheitlich angegangen werden. Es muss in Hinblick auf die Errichtung, den Betrieb bis hin zum Abbruch möglichst kostenoptimiert sein. Wir vom Bundesverband Sonnenschutztechnik bieten gerne an, an einem zukunftsweisenden Ausstattungskatalog für leistbares Wohnen mitzuarbeiten!“

Über den Bundesverband Sonnenschutztechnik
Der Bundesverband Sonnenschutztechnik ist der Dachverband der österreichischen Sonnenschutzindustrie. Der BVST ist Gründungsmitglied des Europäischen Dachverbandes ES-SO (European Solar Shading Organization). Kooperationspartner sind u. a. klima:aktiv, IBO und ÖGUT. Der Verband repräsentiert 23 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt über 1.300 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Er sichert mit einer Wertschöpfung von ca. 900 Mio. Euro an die 10.000 heimische Arbeitsplätze vor allem im gewerblichen Bereich.

http://www.bvst.at



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